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Geschichte

Agalaia

Die "Aglaia" ist ein "Colin Archer". So heisst ein bestimmter Schiffstyp, der nach seinem Urheber, dem norwegischen Bootsbauer Colin Archer, benannt ist. Dieser ist eine Legende in der Bootswelt. Seine Ideen, wie seetüchtige, wohlsegelnde und schöne Yachten und Schiffe aussehen sollen, sind noch immer aktuell. Jeder Colin Archer hat außerordentlich gute See- und Segeleigenschaften. Er ist sehr einfach zu handhaben und auch ein ideales, hochseetüchtiges Langtourenboot. Unser Colin Archer ist eine moderne Version seiner berühmtesten Bootskonstruktion, der norwegischen "Redningsköite" (Rettungsketch).

Hier ein kleiner Film ueber ein Schwesterschiff aus Norwegen: die "Stavanger RS14" ; ein ueber 100 Jahre altes Origunal von Colin Archer

Lotsenboote

Um das Jahr 1870 kamen sehr viele Lotsenboote von ihrem Einsatz nicht mehr zurück. Deswegen überlegte sich Colin Archer einen Bootstyp, durch dessen Einsatz das Lotsen sicherer werden sollte. Die "Minnie" wurde von den Lotsen wegen ihrer Manövrierfähigkeit und Seetüchtigkeit hochgeschätzt. Doch Colin Archer war noch nicht zufriedengestellt; er baute ein Jahr später die "Thor", einen schmalendigen Walfänger, der mit Stag und gewöhnlichem Toppsegel ausgestattet war. Dieses Schiff wurde zum Prototyp des Lotsenbootes, wie wir es heute kennen. Ab 1876 baute Colin Archer seine Schiffe nach dem Wellenlinienprinzip, das der britische Ingenieur John Scott Russell gefunden hatte. Während der Fahrt entstehen zwei Wellen: eine am Bug und eine am Heck des Schiffes. Um nun den Widerstand des Schiffes herabzusetzen, sollte sich das Schiff in seiner Bauart diesen beiden Wellentypen anpassen. Der Doppelender war entwickelt. Colin Archer verbrachte viel Zeit damit die verschiedensten Schiffe zu bauen, doch wurde er nie seinem Prinzip untreu, daß Sicherheit und Stabilität die wichtigsten Anliegen beim Schiffsbau sind. So konnten die Käufer wohl um den Preis, nie aber um die Sicherheit handeln. Daß einige seiner Schiffe auch heute noch, nach über 100 Jahren, gesegelt werden, beweist die Richtigkeit seiner Lehre!

Rettungsboote
Der Arzt Oscar Tybring hatte schon seit Jahren über die Gründung einer norwegischen Rettungsbootvereinigung nachgedacht. 1887 bat er Colin Archer um Unterstützung. Bis dahin waren die meisten Leute davon überzeugt, daß sich die norwegische Küste nicht zum Einsatz von Rettungsbooten eigne. Zwar teilte auch Colin Archer diese Meinung, da aber der größte Teil der Schiffe, und vor allem die Fischerboote, auf offener See und nicht an der Küste Schiffbruch erlitten, bot er dem Arzt Hilfe an. Im Jahr 1891 hatten sie genug Geld gesammelt, um den "Norsk Selskab til Skibbrudnes Redning" zu gründen. Diese Vereinigung sollte die Fischerboote auf die See hinausbegleiten. Schon ein Jahr später baute Colin Archer das erste Rettungsboot nach seinen eigenen Entwürfen. Das Ergebnis war ein schmalendiger Doppelender mit durchgehendem Deck. Er war 14,05 m lang, 4,6 m breit, hatte einen Tiefgang von 1,94 m und einen sieben Tonnen schweren Eisenkiel. Die Segel maßen 74,98 m2. An der Spitze des Großsegels, des Focksegels und der Besane konnten zwei Stagsegel und ein Toppsegel getragen werden. Auf dem unteren Deck befanden sich drei wasserdichte Abteilungen, die durch Luken verbunden waren. Die mittlere Abteilung war die Kabine mit zwei Kojen, Couchen, Schränken und anderen notwendigen Einrichtungen. Auch in den anderen beiden Abteilungen befanden sich Kojen. Die Kanzel war mit wasserdichten Schotten und einem Abfluss ausgestattet. Dieser Prototyp kostete 10.903,43 norwegische Kronen; das Bier für die Arbeiter eingerechnet. Der Stapellauf fand im August 1892 statt. Dieser erste Rettungskutter RS-1 wurde später nach seinem Konstrukteur Colin Archer benannt.
Der stolze Skipper Nicolay Anthonisen war hochzufrieden mit dem Schiff und hob seine Seetüchtigkeit, Manövrierfähigkeit und Segelkapazität hervor. Die Tatsache, daß noch 35 weitere dieser Schiffe gebaut wurden, beweist, daß er nicht übertrieben hatte.

Das Schiff Colin Archer

Nach 40 Jahren treuem Dienst wurde der Rettungsketch verkauft und hatte inzwischen einen beeindruckenden Rekord aufzuweisen: Es hatte insgesamt 67 Schiffe mit 237 Mannschaftsmitgliedern sicher an Land gebracht und 1.522 Schiffen auf ihren Reisen auf dem Ozean assistiert. Der heutige norwegische Rettungsbootdienst ehrte den Bootskonstrukteur Colin Archer, indem er eines seiner Boote, die "Vardo", nach ihm umbenannte. 1961 wurde die originale Colin Archer in einem schrecklichen Zustand in Amerika gefunden. Sie wurde nach Norwegen zurückgebracht und wiederhergestellt. Heute segelt das Schiff unter den Farben des norwegischen Seemuseums unter der Überwachung des SSCA (Sailing Ship Colin Archer) und unter dem Befehl des Kapitäns Von Trepka. Es würde Colin Archer als geistigem Vater gut getan haben, wenn er wüßte, daß sein Schiff immer noch, nach über hundert Jahren, im Gespräch ist. Die Colin Archer beendete die Regatta für Großschiffe im Jahr 1983 als Gesamtsieger und ließ 74 Schiffe hinter sich. Zwei weitere Schiffe von Colin Archer, die "Christiania" (erbaut 1896, RS10) und die "Liv" (erbaut 1894, RS5) wurden Zweiter und Dritter. Daß dies kein Zufall war, bewiesen die Colin Archer und die "Christina" bei der Cutty Sark Regatta für Großschiffe 1987, bei der sie wiederum mit dem Gesamtsieg und dem zweiten Platz das Rennen machten. Es war sehr beeindruckend, daß diese Oldtimer trotz des angestrengten Wettkampfs der großen und modernen Schiffe solch ein Ergebnis erzielen konnten.


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Die Legende Colin Archer

1903 baute Colin Archer sein letztes Rettungsboot, das 1965 seine letzte Reise machte. Als Colin Archer am 3. Februar 1921 starb war er 89 Jahre alt. Er hatte über 200 Schiffe (70 Yachten, 60 Lotsenboote, 14 Seenotrettungskreuzer und 72 andere Schiffe) gebaut - jedes einzelne ein Juwel der Schiffsarchitektur. Die Colin Archer und ihre Familienangehörigen werden auch weiterhin für viele Jahre die sieben Meere durchqueren und als segelnde Monumente eines großartigen Schiffsbauers dienen.


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