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Der Name

Bemman schreibt in seinem Werk "Stein und Flöte" über ein Mädchen mit dem Namen Aglaia: "Schon vor langer Zeit wohnten ... Leute hier am See. In diesen Tagen lebte ein junger Fischer namens Jelosch. Er war einer, der sich stets ein wenig abseits hielt und auf besondere Dinge aus war. Eines Morgens im Frühling fuhr er weit hinaus bis zum Schilfgürtel auf der anderen Seite, weil er sich dort einen besonders guten Fang versprach. Und als er am Abend zurückkehrte, saß ein Mädchen in seinem Kahn, das noch keiner im Dorf je gesehen hatte. Dieses Mädchen war von einer seltsamen Schönheit, ihre Haut hatte einen Glanz wie die schimmernde Innenseite von Seemuscheln, ihr braunes Haar war glatt und lang, und ihre dunkelbraunen Augen sahen so aus, als wolle sie jeden Augenblick anfangen zu lachen. Sie hatte nichts am Leib als den alten leinenen Kittel, den Jelosch im Kahn liegen hatte für den Fall, daß er etwas Trockenes zum Anziehen brauchte. Das kam schon damals allen, die Jelosch an diesem Tag bei seiner Rückkehr beobachteten, recht merkwürdig vor; denn man mußte wohl annehmen, daß er das Mädchen nackt gefunden hatte. ...

Er nannte sie Aglaia, und die Leute fanden, dies sei ein recht fremdartiger Name für eine Fischersfrau. Da Aglaia jedoch stets fröhlich war, gewöhnte man sich an sie, und die Männer schließlich sagten, daß Jelosch mit seiner Frau einen besonders guten Fang gemacht habe; denn sie war nicht nur schön, so daß ihr mancher heimlich nachblickte, wenn sie durchs Dorf ging; sie hielt auch Jeloschs Haus in guter Ordnung und verstand es, farbige Muster auf sein Hemd zu sticken, wie sie ... noch keiner gesehen hatte."

Selbst Dostojewski weiß in "Der Idiot" über eine Aglaia zu berichten: General Iwan Fjodorowitsch Jepantschkin hatte, zumindest mütterlicherseits fürstlicher Abstammung, drei Töchter. Die mit kaum zwanzig Jahre jüngste Tochter Aglaia "war eine ausgesprochene Schönheit und lenkte denn auch in der Gesellschaft die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich." Zusätzlich zeichnete sie sich durch Bildung, Verstand und Talent aus. Mit diesen Vorzügen bedacht sollte Aglaias zukünftiger Mann "die größten Erfolge aufzuweisen haben, vom Besitz irdischer Güter ganz zu schweigen. Die beiden Schwestern hatten sogar beschlossen - und zwar ohne viel Worte zu verlieren -, falls es nötig sein sollte, nach Möglichkeit von ihrer Mitgift zugunsten Aglaias einen Teil abzutreten, denn Aglaia stünde, so meinten sie, eine enorme Mitgift zu, weit mehr als ihnen, den beiden älteren Schwestern."


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